HANNELORE SIMONS "Chana Sass" geb.  03.12.1925 in Tauberbischofsheim gest. 04.08.2021 in Jerusalem

HANNELORE SIMONS kam am 03.12.1925 in Tauberbischofsheim als Tochter von Ernst und Flora Simons, geb. Brückheimer zur Welt. Nach der Trennung ihrer Eltern wuchs sie bei ihrer Mutter Flora und ihrer Großmutter Bertha Brückheimer auf.

Die Familie wohnte in Tauberbischofsheim, zunächst in der damaligen Hauptstr. 10 (heute: Hauptstr. 96) (*). Letzter Wohnort vor der Deportation war Hauptstraße 45.

Hannelore besuchte die Volksschule in Tauberbischofsheim. Nachdem am 15.11.1938 jüdischen Kindern der Besuch einer deutschen Schule verboten wurde, ging sie bis zum Kriegsausbruch am 01.09.1939 in die jüdische Schule in Bad Mergentheim. (1)

Am 22.10.1940 wurde sie nach Gurs deportiert.

Im März 1941 wurde Hannelore Simons von Gurs in das Lager Rivesaltes verlegt, wo sie die Häftlingsnummer 6462 erhielt. Mehrfach verhinderten die Lagerärzte ihre Deportation, indem sie für ihre Transportunfähigkeit sorgten oder sie versteckten. Im August 1942 nahm sich die Hilfsorganisation „Secours Social des Étrangers“ ihrer an und brachte sie in einem Heim in Montmélian bei Chambéry unter. Bis Kriegsende musste sie sich immer wieder an anderen Orten verstecken. (2)Nach dem Krieg arbeitete Hannelore Sass als Erzieherin in einem jüdischen Kinderheim für Waisen. Im August 1948 wanderte sie von Frankreich mit einer ihr anvertrauten Kindergruppe nach Israel aus. Dort änderte sie ihren Vornamen Hannelore in „Chana“. Sie  arbeitete als Sekretärin. (2)

1950 heiratete sie Chaim Sass, einen aus Wien ausgewanderten Absolventen der Wiener Hochschule für Welthandel. Drei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor: Niza 1951, Muli 1953 und Ofira 1955. Die Familie lebte in der Nähe von Haifa. (1)

Als 1993 ihr Mann Chaim Sass starb, zog sie zu ihren Kindern nach Jerusalem, wo sie in dem von ihrer Cousine gegründeten Seniorenclub „Die offene Tür“ mitarbeite, der zu ihrer zweien Heimat wurde.(1)

Lehrer und SchülerInnen zweier Tauberbischofsheimer Gymnasien beschäftigten sich ab 2007 intensiv mit der jüdischen Vergangenheit der Stadt und nahmen Kontakt zu Chana Sass auf. Bei dem Besuch der Gruppe in Jerusalem gab sie ihnen ihre Lebenserinnerungen mit, die sie für ihre Kinder und Enkel aufgeschrieben hatte. Daraus entstand das Buch „Von Tauberbischofsheim nach Jerusalem", das von den „Tauberfränkischen Heimatfreunden" 2013 herausgegeben wurde.

Chana Sass leistete einen wesentlichen Beitrag zur Aufarbeitung der jüdischen Geschichte im Nationalsozialismus in Tauberbischofsheim.

Chana Sass starb am 4. August 2021 in Israel.
Quellen(1) http://www.tauberfraenkisches-landschaftsmuseum.de/cms/website.php?id=/de/index/aktuelles/2023/data4733.htm
(2) https://atlas.lastseen.org/image/tauberbischofsheim/85
(3) „Von Tauberbischofsheim nach Jerusalem", Hrsg. „Tauberfränkische Heimatfreunde"; 2013

Erläuterung:
(*) Straßenname und Hausnummer wechselten mehrfach: Hauptstr. 10; Königheimerstr. 10; Robert Wagner Str. 96; Robert Wagner Str. 96+98 (Quelle: Feuerversicherungsbuch B 183 – B 182; Stadtarchiv Tauberbischofsheim)

 

Stolperstein Inschrift:

Hannelore Simons

 
 
 
Hannelore   birth certificate

Hannelore Sass – Geburtsurkunde

 

 Ernst Simons   Hannelores father

 Ernst Simon (Vater von Hannelore) (Foto: Familienbesitz Joram Brückheimer)

 

 Hannelore with friends in Camp de Rivesaltes

Hannelore mit Freundinnen im Camp Rivesaltes (Foto: Familienbesitz Joram Brückheimer)

Hannelore and Husband Chaim Sass

Hannelore mit Ehemann Chaim (Foto: Familienbesitz Joram Brückheimer)

Hannelore first legal document after war

Hannelore: Erstes legales Dokument nach dem Krieg (Foto: Familienbesitz Joram Brückheimer)

 

 

 Pfeil1