Date:
15.07.2022
Time:
19:30
Venue:
Betsaal

Minderheiten, und mögen sie noch so groß und integriert sein, haben es immer wieder schwer - auch in Deutschland.

Sie sind zuhause und doch irgendwie Gast.

Kinotalk a

  • wie fühlen sich z.B. jüdische Menschen?
  • wie geht es Migranten - auch in den Nachfolge-Generationen der seinerzeit Zugezogenen?
  • der Norddeutsche, der vor Jahren nach Bayern gezogen ist ... ist er nun zuhause?
  • wir alle kennen weitere Beispiele

Wie fühlen sich Betroffene? Dazu gab es in den letzten Jahren sehr interessante filmische Projekte, die wir (in Auszügen) als Einstieg in die anschließende Diskussion zeigen wollen:

Die sehr vielfältigen und entsprechend differenzierten Aussagen der Teilnehmer dieser Projekte liefern sicher einige Anknüpfungspunkte für eine Diskussion, die wir dann gemeinsam führen wollen über die Frage: wie können und wollen wir gemeinsam leben?

 

 

Zur Einstimmung ein paar lyrische Versuche zum Thema:

 

Auf der Reise
Nach Li-tai-po

Vor meinem Lager liegt der helle
Mondschein auf der Diele;
mir war, als fiele
auf die Schwelle
das Frühlicht schon,
mein Auge zweifelt noch.

Und ich hebe mein Haupt und sehe,
sehe den hellen Mond
in seiner Höhe
glänzen. Und ich senke,
senke mein Haupt – und denke
an meine Heimat …

Richard Dehmel (1863 - 1920), Richard Fedor Leopold Dehmel, dt. Dichter, Lyriker, Dramatiker und Kinderbuchautor

 

Fremde

Wo
nur ich
mir
Heimat wurde

© Hans-Christoph Neuert (1958 - 2011), deutscher Aphoristiker und Lyriker

Quelle: Neuert, Zauberwelten, 2000

 

Heimat

Heimat ist nicht nur ein Wort
Heimat das bist Du und ich
Heimat ist nicht nur ein Ort
Heimat die ist innerlich

Heimat ist stets wo ich bin
Schlägt in meinem Herzen
Heimat ist des Leben's Sinn
Nicht ein Land mit Grenzen

Heimat ist woher ich kam
Und wohin ich gehe
Heimat ist nicht fern noch nah
Heimat heißt ich lebe

Heimat ist ganz einfach Leben
Grenzenlos und unbeschwert
Ist der inner'n Stimme Beben
Das Gewissen das man hört

Seele ist die Heimat allen Lebens
Dieses sag' ich unumwunden
Alles Suchen ist vergebens
Hat man Heimat nicht in sich gefunden

© Robert Kroiß (*1949), deutscher Schriftsteller

 

Chanson von der Fremde

Die Fremde ist ein kaltes Kleid

Mit einem engen Kragen

Ich hab´s mit meinem Kofer oft

Im Leben schon getragen

 

Als Einzelgänger von Natur

Wohn ich nicht gern zu Gaste

Ich hause lieber unterm Dach

Als fremd im Prunkpalaste

 

Ich reise ohne Stock und Hut

Und tanze aus dem Reigen

Wenn einer eine Reise tut

Dann kann er viel verschweigen

Mascha Kaleko

 

Fremd hier

Da fahren Menschen
Da gehen Menschen
Da grüßen Menschen
Da stehen Menschen
Da reden Menschen
Da lachen Menschen
Da kaufen Menschen
Da zahlen Menschen
Da betteln Menschen
Da sitzen Menschen
Da essen Menschen
Da trinken Menschen
Da rufen Menschen
Da schimpfen Menschen
Da schreien Menschen
Da gucken Menschen
An mir vorbei

Georgi Kratochwil · geb. 1979

  Veranstaltung |  Sunday, 27 February 2022 00:00 |  Thursday, 03 March 2022 20:57 |  668