Date:
27.04.2020
Time:
19:30
Venue:
Betsaal

Marcus ist ein alter Mann. Dass er auch Jude und KZ-Überlebender ist, weiß niemand, denn er hat Zeit seines Lebens versucht, die Vergangenheit zu verdrängen, und vor langer Zeit einen anderen Namen angenommen. Doch dann kehrt alles zurück, und Marcus hat nur noch einen Wunsch: Auf einem jüdischen Friedhof beerdigt zu werden.
Dafür muss er beweisen, dass er wirklich Jude ist. Um die nötigen Nachweise zu finden reist er in seine ungarischen Geburtsstadt Vác. Die junge Deutschtürkin Gül,
eine echte Göre und selbst auf der
Suche, begleitet ihn …

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Meister im Verdrängen

Die Szenen, in denen Mario Adorf seine Figur vor der Kamera zum Reden zwingt, ihr die dunklen Erinnerungen - etwa an die Ermordung des Vaters - förmlich abringt, sie schmerzvoll aus dem Kopf wringt, gehören zu den stärksten in diesem Film über die Aufarbeitung eines (jüdischen) Lebens. "Ich bin kein Spielberg-Selbstdarsteller", hatte der störrische Alte sich vorher raunzend geweigert, an dem Projekt teilzunehmen. So wie er sich nach seiner Befreiung aus dem KZ geweigert hatte, mit seiner Vergangenheit noch irgendetwas zu tun zu haben. Ein Meister im Verdrängen wurde dieser Marcus Schwartz.

Nun aber, gegen Ende seines Lebens, wird der Mann gezwungen, sich seiner Geschichte zu stellen. Um auf einem jüdischen Friedhof begraben zu werden, wie es sein Wunsch ist, muss Marcus Schwartz nachweisen, dass er Jude ist. Die auf seinem Arm eintätowierte KZ-Häftlingsnummer aus Theresienstadt ist für den Rabbiner der jüdischen Gemeinde kein Beweis. Auch Schwule und Kommunisten waren im Lager, und etliche Nazi-Täter haben sich, um davonzukommen, KZ-Nummern tätowiert. Nein, um sein Jüdischsein zu belegen, muss Marcus Urkunden, Zeugenaussagen, Dokumente beibringen.

 

Der Eintritt ist wie immer frei - für Knabbereien und Getränke ist gesorgt.