Ein wichtiger Ansprechpartner zu Themen jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Külsheim

ist Alfred Bauch.

 

Er ist erreichbar über:

 

Bürgermeister-Spengler-Str. 11
97900 Külsheim

Telefon 0 93 45 / 13 74

 

Über ihn erschien 2012 ein längerer Bericht der Fränkischen Nachrichten, der im Folgenden wiedergegeben wird:

 

FN-HEIMAT-SERIE:

Alfred Bauch erforscht mit großem Engagement die jüdische Geschichte seiner Heimatstadt

Seit 25 Jahren ist er auf Spurensuche

Von unserem Redaktionsmitglied Bernhard Müller KÜLSHEIM.

Über 700 Jahre gibt es nachweislich Fakten und Dokumente über jüdisches Leben und jüdische Kultur in der Brunnenstadt. "Damit ist die jüdische Historie auch ein ganz wesentliches Stück Heimatgeschichte", betont Alfred Bauch. Der 58-Jährige gehört mit zu den profundesten Kennern der jüdischen Geschichte in Külsheim. Seit rund 25 Jahren ist er auf Spurensuche, forscht er und trägt alle nur erdenklichen Daten zu diesem Thema zusammen. Mittlerweile hat sich eine Sammlung aus offiziellen Dokumenten, Nachforschungen über Familienschicksale jüdischer Mitbürger, Dokumentationen, Berichten von Zeitzeugen und unterschiedlichsten Bildern in 15 Aktenordnern in seinem Archiv im Keller angehäuft. Hinzu kommt eine kleine Bibliothek von Sekundärliteratur über jüdische Kultur im Allgemeinen. Ziel soll sein: "Alle diese Informationen zusammenfassen und die "Geschichte der jüdischen Gemeinde Külsheims als Dokumentation zu veröffentlichen", wie er sagt.

Zwei Beiträge hat er bereits verfasst. So erschien im Külsheimer Jahrbuch 1985/86 ein Aufsatz über den jüdischen Friedhof und ein Jahr später ein Artikel über die ehemalige Synagoge in der Brunnenstadt. "Geschichte war schon immer mein Hobby", berichtet der 58-Jährige. Dabei stieß er auch sehr häufig auf Spuren jüdischer Tradition in seiner Heimatstadt. In diesem Zusammenhang gab es viele Erzählungen voller Halbwahrheiten, sowie hie und da auch Vorurteile gegenüber den ehemaligen jüdischen Einwohnern. Das

habe Anfang der 1980er Jahre für ihn den Ausschlag gegeben, der Sache auf den Grund zu gehen. Er wollte die jüdische Geschichte erforschen, nicht basierend auf Gerüchten oder auf dem Hörensagen, sondern orientiert an Fakten und belegbaren Argumenten, zumal noch Augenzeugen lebten, die man befragen konnte, so Bauch.

Ausgangspunkt waren der Kontakt und die persönliche Begegnung mit Familie Baumann aus New York. Nachdem die gebürtige Külsheimerin Rosi Kahn ihren aus Unterfranken stammenden Mann geheiratet hatte, emigrierten sie 1934 in die USA. Mit Ehemann und Sohn James, der heute als Anwalt in New Jersey arbeitet, besuchte sie in den siebziger und achtziger Jahren mehrfach ihre Heimatgemeinde Külsheim, wo noch ihre Jugendfreundin Martha Stecher lebt.

Suche nach Zeitzeugen

Über diese wiederum kam Alfred Bauch schließlich in Kontakt mit James Baumann. "Wir haben unser ganzes Wissen zusammengeworfen, haben Fragen gestellt und uns mit der jüdischen Geschichte in Külsheim befasst, geforscht und auseinandergesetzt", erzählt Bauch. Und diese Begegnung sei mit eine Initialzündung gewesen, sich weiter auf die Suche nach Zeitzeugen zu machen.

Obwohl es ihm nie in den Sinn gekommen sei, mit seinen Nachforschungen jemanden an den Pranger zu stellen, hätten die Gesprächspartner zum Teil sehr verhalten auf seine Fragen reagiert. So beispielsweise über die Vorkommnisse und Umstände der sogenannten Judentaufe am 1. September 1939, die belegbar stattgefunden hat, so Alfred Bauch. Keiner wollte offensichtlich bei diesem Drangsal und dieser Verspottung der jüdischen Mitbürger irgendwie dabei gewesen sein.

Andererseits hätten sich aber auch viele Leute bei ihm gemeldet, um ihm Materialien und Bilder zur Verfügung zu stellen und Hinweise auf jüdisches Leben in der Brunnenstadt zu geben. Inzwischen hat der Hobby-Historiker weltweite Verbindungen. So pflegt er Kontakte zur Familie Held in Toronto, deren Vorfahren unter anderem in Wertheim ein Kaufhaus betrieben hatten. Als Steven Held und Barbara Held zur Hochzeit ihres Cousins nach Stuttgart reisten, hatte Bauch die Gelegenheit – als willkommener Gast - in der dortigen Synagoge an einer faszinierenden Zeremonieteilzunehmen.

Schlüsselerlebnis

Ein weiteres "Schlüsselerlebnis" sei auch die Bekanntschaft mit der Familie Samuel Naumann aus Tel Aviv gewesen. Durch die Erzählungen von "Sami" Nauman, mit dem er sich mehrfach in der ehemaligen Gastwirtschaft seines Vaters Meier Naumann in Külsheim traf (heute: "Zum Brunnenputzer"), bekam er Einblicke in das vormalig alltägliche Leben der Juden in Külsheim, ihrer Religion und Philosophie.

Mittlerweile erhält Alfred Bauch An- und Nachfragen aus dem In- und Ausland von Geschichts- und Familienforschern, die im Zusammenhang mit ihren Recherchen jüdischer Vergangenheit auf Külsheim stoßen.

Von großem Wert ist für Alfred Bauch die umfangereiche Dokumentation über den jüdischen Friedhof in Külsheim mit seinen 960 Gräbern, die im Jahr 2000 von Michael Thon, einem des Althebräischen mächtigen protestantischen Geistlichen, abgeschlossen wurde. In diesem Werk sind sämtliche Grabsteine aufgelistet, beschrieben, sowie die Inschriften, soweit noch entzifferbar, ins Deutsche übersetzt worden.

Der Friedhof, 1658 angelegt, ist einer der ältesten jüdischen Grablegen in der Region Franken. Bis 1875 war er Verbandsfriedhof der Juden von Külsheim, Hardheim, Gissigheim, Königheim, Tauberbischofsheim und Hochhausen.

Die letzte Bestattung nach jüdischem Ritus fand 1938 statt, als Abraham Hahn beigesetzt wurde. Noch heute deutlich sichtbar, sind einige beschädigte Grabsteine, die auf massive Übergriffe während des nationalsozialistischen Regimes hinweisen.

Synagoge

Die ehemalige Synagoge in der Brunnenstadt wurde in der Pogromnacht 1938 verwüstet, wie Bauch berichtet, bevor sie 1944 abbrannte und damit endgültig zerstört wurde.

Erhalten geblieben ist in Külsheim dagegen die Mikwe, das rituelle Tauchbad der Juden. Sie wurde wahrscheinlich im Jahr 1796 mit dem Bau der Synagoge errichtet und befindet sich heute in einer alten Scheune.

Um die Spuren der jüdischen Geschichte in der Brunnenstadt deutlich zu machen, schwebt es Alfred Bauch vor, im Gebäudekomplex "Templerhaus" eine Räumlichkeit zu finden, in der man an jüdisches Leben in Külsheim erinnert und begleitende Veranstaltungen organisieren könnte. Doch bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg.

In die Geschichte vertieft

Die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte im Allgemeinen, die ganz eng verbunden sei auch mit der europäischen Tradition, lässt Alfred Bauch indessen nicht ehr

los. Was als Hobby begann, sei zur Leidenschaft geworden, sagt der 58-Jährige. Scheibchenweise habe er sich immer mehr in die Geschichte vertieft.

Und je älter man werde, umso mehr stelle man auch einen Bezug aus der Vergangenheit zu heute her. Und diesen wolle er auch durch Führungen auf den Spuren der ehemaligen "jüdischen Gemeinde Külsheim" und Vorträge an interessierte Bürger, Schulklassen oder

an auswärtige Besucher weitergeben.

Mit dem Blick auf die Geschichte von Külsheim seien auch eine Verbundenheit und ein Verwachsensein mit seiner Heimatstadt einhergegangen, Bürgersinn entstanden, den es gelte, an die nächste Generation weiterzutragen, wie Alfred Bauch betont.

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 12.09.2012